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Gefälligkeitsübersetzung

Herrn
Peter-Matthias Gaede
Herausgeber der Zeitschrift GEO
20444 Hamburg

Miklós Zelei
1112 Budapest
Ungarn

Sehr geehrter Herr Gaede,
in der Oktober-Ausgabe 2004 Ihrer Zeitschrift erschien eine Reportage über die neuen Länder der Europäischen Union, über ihre Grenzgebiete. Sie haben auch Nagyszelmenc (Vel'ké Slemence) in der Slowakei besucht und von dort auch auf den ukrainischen Teil des Zwillingsdorfes, Kisszelmenc (nach seinem früheren russischen [ukrainischen] Namen Solonci), das sich seit dem 1. Mai 2004 außerhalb der Grenzen der Europäischen Union befindet, hinüberge­schaut (S. 96-97). In Ihrer Reportage wird der ungarische Name dieses Zwil­lingsdorfes überhaupt nicht erwähnt und auch die Tatsache unterschlagen, dass sowohl der slowakische als auch der ukrainische Teil selbst heute noch fast 100%-ig von Ungarn bewohnt werden. Ihre Berichterstattung spricht von dem "Slowaken" Péter Lizák und von seiner Nichte, der "Ukrainerin" Eva Kon­dásová.

Ich bin Sachbuchautor und erforsche seit 1994 die Geschichte des Zwillings­dorfes Nagyszelmenc-Kisszelmenc, die ich in meinem Dokumentenroman "A kettézárt falu" (Das entzweigesperrte Dorf) veröffentlicht habe (Ister Könyvki­adó, Budapest, 2000). Ebenfalls seit 1994 arbeite ich daran, dass zwischen den beiden Teilen des Dorfes ein kostenloser Grenzübergang eröffnet werden soll. Eine wichtige Station meiner Tätigkeit war, als ich zusammen mit dem Bürgermeister des slowakischen Teiles des Dorfes, dem Ungar Lajos Tóth und dem Bürgermeister des ukrainischen Teiles des Dorfes, dem ebenfalls Ungar József Illár, am 21. April 2004 in Washington bei einer Anhörung des Men­schenrechtskomitees des Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika einen Vortrag darüber gehalten habe, dass die Grenzöffnung ins Stocken ge­raten ist. Es ist erwähnenswert, dass die drei eingeladenen Ungarn mit Reis­pässen drei verschiedener Länder auf dem Washingtoner Flughafen gelandet waren.

Ich kenne Herrn Péter Lizák gut. Er hat in meinem Buch die Geschichte seines Lebens und der Staatsgrenze seines Dorfes erzählt. Herr Lizák ist kein Slowa­ker. Er ist Staatsbürger ungarischer Nationalität der Slowakischen Republik. Ihn und andere Hunderttausende als Slowaken zu bezeichnen, zeugt von In­toleranz und von Inakzeptanz des Andersseins. Ich habe mich mehrmals mit Herrn Péter Lizák und auch seinen Verwandten, die ebenfalls Ungarn sind, sowohl im slowakischen als auch im ukrainischen Teil des Dorfes getroffen. (Die ungarischen Namen werden sowohl in der Ukraine als auch in der Slowa­kei entsprechend den Regeln der ukrainischen und der slowakischen Sprache übersetzt, umgeschrieben. So erschien in GEO auf Seite 97 statt des rein un­garischen Vor- und Familiennamens - Éva Kondás - die Variante: Eva Kon­dásová. War es dem nicht über alles informierten slowakischen Dolmetscher Ihrer Reporterin [Johanna Wieland] zu verdanken, dass der Name der ungari­schen Frau mit ukrainischer Staatsbürgerschaft, Éva Kondás, in einer slowaki­schen Umschreibung mitgeteilt wurde? Den Familiennamen ungarischer Frauen wird nämlich auf Slowakisch die Endung "-ová" hinzugefügt, nie auf Ukrainisch. Durch die von den Behörden der Republik Ungarn ausgestellten "ungarischen Ausweise" für die Ungarn, die außerhalb der Staatsgrenzen leben, werden die verzerrten Namensschreibungen wieder richtig gestellt.)

Als Ergänzung darf ich noch zufügen, dass das von Ungarn bewohnte Zwil­lingsdorf Nagyszelmenc/Kisszelmenc nach dem Untergang der Österreichisch-Ungarischen Monarchie infolge der Pariser Friedensverträge, die den Welt­krieg abgeschlossen hatten, der damals errichteten und siebzig Jahre später zerfallenen Tschechoslowakei zugeschlagen wurde. Bis dahin war es tausend Jahre lang ein organischer Teil Ungarns. Nach dem ersten Wiener Schieds­spruch - am 2. November 1938 - bekam es Ungarn wieder zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wäre das ganze Zwillingsdorf entsprechend der Vereinba­rungen von Jalta an die Tschechoslowakei (und im Geiste der tschechoslowa­kischen Kontinuität an die Seite der Siegermächte geratene Slowakei) zurück­gefallen, aber die seitdem ebenfalls zerfallene Sowjetunion verschob seine Grenzen mit Gewalt nach Westen. Der von Stalin 1944-1945 errichtete Eiserne Vorhang steht auch heute noch im Dorf. Ich mache Sie auf die Tatsa­che aufmerksam, dass Stalins Eiserner Vorhang in der Nacht des 1. Mais 2004 in einen Goldenen Vorhang der Europäischen Union umgewandelt wurde.

Ich möchte Sie bitten, meine richtigstellenden und ergänzenden Anmerkungen in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift GEO abzudrucken.

Budapest, den 15. November 2004
Mit freundlichen Grüßen
Miklós Zelei

Ursprünglich Brief

   
2004. © Zelei Miklós. Minden jog fenntartva!
E-mail: info@zelei.hu